Service Level Agreement (SLA) – Bedingungen

Dieses Dokument beschreibt Erreichbarkeit, Reaktionszeiten und die bevorzugte Bearbeitung im Rahmen der gebuchten SLA-Level für IT-Services. Es ist bewusst klar und praxisnah gehalten – damit beide Seiten wissen, was erwartet werden kann.

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Hinweis: Das SLA ist eine Leistungszusage (Erreichbarkeit/Reaktionszeit/Bevorzugung), aber keine Garantie für eine sofortige Lösung in jedem Fall. Ziel ist eine verlässliche, planbare Zusammenarbeit.

1. Begriffe & Definitionen

  • Ticket: Dokumentierter Vorgang im Ticketsystem (Störung/Anfrage/Änderung).
  • Reaktionszeit: Zeitraum zwischen Ticket-Eingang (korrekt übermittelt) und erster qualifizierter Rückmeldung/Arbeitsaufnahme durch den Dienstleister.
  • Ziel-Lösungszeit: Angestrebter Zeitraum bis zur Wiederherstellung des Service oder Bereitstellung einer tragfähigen Lösung/Workaround. Abhängig von Komplexität, Drittanbietern, Verfügbarkeit.
  • Servicezeit: Zeitraum, in dem Erreichbarkeit und SLA-Zeiten gelten (je nach SLA-Level).
  • Workaround: Übergangslösung zur Aufrechterhaltung des Betriebs, bis die endgültige Lösung umgesetzt ist.
  • Drittanbieter: Hersteller/Provider (z.B. Microsoft, Internetprovider, Hosting, Hardware-Hersteller). Deren Reaktionszeiten liegen außerhalb der direkten Steuerung.

2. Leistungsumfang & Kanäle

Das SLA gilt für die im Wartungsvertrag bzw. Leistungspaket enthaltenen IT-Services (z.B. Helpdesk, Remote-Support, Microsoft 365 Administration, Monitoring, Backup-Management, Security-Basispaket, Netzwerk/Firewall-Betreuung), soweit diese aktiv beauftragt und technisch angebunden sind.

Zulässige Kontaktkanäle (SLA-relevant)
  • Ticketsystem / E-Mail (empfohlen): Vollständige Dokumentation, beste Nachverfolgbarkeit.
  • Telefon: Für dringende Störungen; anschließend Ticket-Erstellung durch Dienstleister oder Kunde.
  • Remote-Session: Nach Freigabe durch den Kunden oder per verwalteter Remote-Lösung.

Für eine SLA-konforme Bearbeitung muss ein Ticket mindestens enthalten: betroffener Service, kurze Fehlerbeschreibung, Dringlichkeit/Impact, Rückrufnummer, ggf. Screenshots/Fehlermeldungen.

3. Prioritäten & Klassifizierung

Um fair und effizient zu arbeiten, werden Tickets nach Auswirkung (Impact) und Dringlichkeit (Urgency) in Prioritäten eingestuft. Die Einstufung erfolgt gemeinsam: Kundenangabe als Orientierung, finale Priorität durch den Dienstleister (transparent begründet).

Priorität Beispiel Definition
P1 Kritisch Totalsystemausfall, zentrale Server/Internet down, produktionskritischer Dienst steht Geschäftsbetrieb erheblich beeinträchtigt oder steht still; kein zumutbarer Workaround
P2 Hoch Viele Nutzer betroffen, zentrale Funktion eingeschränkt, Security-Vorfall mit hohem Risiko Wesentliche Einschränkung; Workaround möglich, aber mit deutlichem Mehraufwand
P3 Mittel Einzelner Nutzer betroffen, Drucker/Client-Probleme, nicht-kritische App-Störung Begrenzte Auswirkung; Betrieb läuft weiter
P4 Niedrig How-to Fragen, kleine Änderungen, allgemeine Beratung, Terminwünsche Keine oder geringe Beeinträchtigung; planbar
Wichtig: Security-relevante Tickets können unabhängig von der ursprünglichen Einstufung hochgestuft werden (z.B. Verdacht auf kompromittiertes Konto, Malware, ungewöhnliche Anmeldeaktivität).

4. Servicezeiten & SLA-Level

Die SLA-Level definieren Erreichbarkeit und beschleunigte Bearbeitung innerhalb der jeweiligen Servicezeit. Außerhalb der Servicezeit werden Tickets entgegengenommen und zum nächsten Servicezeitfenster bearbeitet (sofern kein höheres SLA gilt).

SLA Level Servicezeit Typischer Einsatz
Level 1 (5×8) Montag–Freitag, 8 Stunden/Tag (z.B. 09:00–17:00, außer Feiertage) Klassische Bürozeiten, Standard-IT
Level 2 (7×8) Montag–Sonntag, 8 Stunden/Tag (z.B. 09:00–17:00) Betrieb auch am Wochenende (z.B. Gastro/Events)
Level 3 (5×24) Montag–Freitag, 24 Stunden/Tag Unter der Woche durchgehender Betrieb
Level 4 (7×24) 24/7 – Montag–Sonntag, inkl. Wochenenden Kritische Systeme, hohe Verfügbarkeit
Servicezeiten können im Vertrag konkretisiert werden (z.B. 08:00–16:00). Gesetzliche Feiertage gelten nach Sitz des Kunden, sofern nicht anders vereinbart.

5. Reaktions- & Zielzeiten

Die folgenden Zeiten sind Zielwerte und gelten innerhalb der Servicezeit des gebuchten SLA-Levels. Bei Tickets außerhalb der Servicezeit beginnt die Reaktionszeit mit dem nächsten Servicezeitfenster.

Priorität Ziel-Reaktionszeit Ziel-Lösungsansatz
P1 ≤ 60 Minuten sofortige Arbeitsaufnahme, Fokus auf Wiederherstellung/Workaround
P2 ≤ 4 Stunden zeitnahe Analyse und priorisierte Bearbeitung
P3 ≤ 1 Werktag Bearbeitung im regulären Ticketfluss
P4 ≤ 3 Werktage Terminierung/Planung nach Aufwand und Verfügbarkeit
Beschleunigte Bearbeitung (SLA-Feature)
  • Tickets mit SLA werden im jeweiligen Servicezeitfenster vorrangig behandelt.
  • Bei mehreren SLA-Tickets gilt Priorität P1 vor P2 vor P3 vor P4.
  • Aufwände für Umsetzung/Changes/Projekte sind nicht automatisch inkludiert – es gilt das beauftragte Leistungspaket.
Realistisch und fair: Manche Ursachen liegen außerhalb unserer direkten Kontrolle (Provider-Störung, Hersteller-Bug, defekte Hardware, Wartezeiten auf Freigaben). In solchen Fällen bleibt die Kommunikation proaktiv, aber die Ziel-Lösungszeit kann abweichen.

6. Ausnahmen & Ausschlüsse

SLA-Zeiten gelten nicht bzw. nur eingeschränkt bei:

  • Drittanbieter-Abhängigkeiten (z.B. Provider, Cloud-Anbieter, Hersteller-Support).
  • Geplanten Wartungsfenstern (vorab angekündigt), sofern notwendig.
  • Höherer Gewalt (z.B. flächendeckende Strom-/Netzausfälle, Naturereignisse, behördliche Anordnungen).
  • Nichteinhaltung von Mitwirkungspflichten (z.B. kein Zugriff, fehlende Freigaben, ausstehende Rückfragen).
  • Unautorisierte Änderungen am System durch Dritte ohne Abstimmung, die Störungen verursachen.
  • Alt-/Sonderumgebungen, die nicht dokumentiert/übergeben wurden oder Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen.
Vor-Ort-Einsätze
Reaktionszeiten beziehen sich primär auf Remote-Bearbeitung. Vor-Ort-Termine erfolgen nach Verfügbarkeit, Dringlichkeit und ggf. gebuchtem Vor-Ort-Kontingent. Bei P1 kann Vor-Ort sinnvoll sein, ist aber nicht immer schneller als Remote.

7. Mitwirkungspflichten des Kunden

Damit wir SLA-Zeiten zuverlässig halten können, braucht es ein paar praktische Grundlagen:

  • Bereitstellung von aktuellen Kontaktdaten und mindestens eines erreichbaren Ansprechpartners.
  • Freigaben (Remote-Zugriff, Admin-Rechte, MFA-Bestätigungen) zeitnah ermöglichen.
  • Störungen möglichst mit konkreten Angaben melden (wer/was/wann/seit wann/Fehlermeldung).
  • Bei Security-Vorfällen: sofortige Rückmeldung, ggf. Systeme isolieren nach Anleitung.
  • Regelmäßige Pflege von Benutzer-/Lizenzänderungen, sofern nicht ausdrücklich im Paket enthalten.
Fairness-Prinzip: Wir behandeln Tickets schnell – im Gegenzug hilft eine schnelle Rückmeldung enorm, um Ping-Pong zu vermeiden und die Lösung zu beschleunigen.

8. Sicherheit, Zugriff & Datenschutz

  • Zugriffe erfolgen nach dem Prinzip „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ (Least Privilege).
  • Remote-Zugriffe werden, soweit möglich, protokolliert.
  • Passwörter werden nicht per E-Mail angefordert; bevorzugt sichere Übergabe (Passwortmanager/temporäre Tokens).
  • Datenschutz/DSGVO: Verarbeitung personenbezogener Daten nur im Rahmen der Beauftragung; AVV nach Bedarf.
Security-Notfälle
Bei Verdacht auf kompromittierte Accounts/Malware kann es notwendig sein, kurzfristig Maßnahmen zu ergreifen (z.B. Passwort-Reset, MFA-Reset, Konto-Sperrung, Quarantäne). Ziel ist Schadenbegrenzung – wir kommunizieren jeden Schritt transparent.

9. Eskalation & Kommunikation

Wenn sich eine Störung nicht wie erwartet entwickelt, eskalieren wir strukturiert – ohne Drama, aber mit Tempo.

  1. Operativ: Techniker/Support → Analyse/Workaround → Update im Ticket.
  2. Team-/Lead-Eskalation: Bei Blockern, komplexen Ursachen oder hohem Impact.
  3. Management-Eskalation: Bei länger andauernden P1/P2 oder relevanten Business-Risiken.
Update-Frequenz (Richtwert)
  • P1: regelmäßige Statusupdates, typischerweise alle 60–120 Minuten (oder nach Meilensteinen).
  • P2: Updates nach Fortschritt/Meilensteinen, typischerweise mindestens täglich innerhalb der Servicezeit.
  • P3/P4: Updates nach Bearbeitungsschritten oder Terminabstimmung.

10. Reporting & Review

  • Auf Wunsch liefern wir monatliche/vierteljährliche Übersichten: Ticketvolumen, Top-Themen, Reaktionszeiten, Empfehlungen.
  • Regelmäßige Reviews helfen, wiederkehrende Störungen dauerhaft zu reduzieren (Root Cause statt Symptombehandlung).
Reporting-Umfang richtet sich nach dem gebuchten Paket und der Dokumentations-/Monitoring-Anbindung.

11. Servicegutschriften (optional)

Servicegutschriften sind optional und können im Vertrag aktiviert werden. Ohne ausdrückliche Vereinbarung besteht kein Anspruch.

Vorschlag (Beispielregel)
  • Wenn die Ziel-Reaktionszeit in einem Monat bei P1 in mehr als 2 Fällen ohne berechtigte Ausnahme überschritten wird, kann eine Gutschrift von 5% auf den SLA-Monatsbetrag gewährt werden.
  • Maximale Gutschrift pro Monat: 10% des SLA-Monatsbetrags.
  • Ausnahmen siehe Abschnitt 6 (Drittanbieter, fehlende Mitwirkung, höhere Gewalt, Wartungsfenster).
Empfehlung: Statt „Strafzahlungen“ setzen viele Kunden lieber auf Review/Optimierung (Monitoring, Patch, Backup, Security-Hardening), weil das die Ausfälle nachhaltig reduziert.

12. Schlussbestimmungen

  • Dieses SLA ist Bestandteil des Wartungsvertrags/Leistungspakets und gilt ergänzend zu dessen Regelungen.
  • Bei Widersprüchen gilt die Rangfolge: individueller Vertrag → Angebot/Leistungsbeschreibung → dieses SLA.
  • Änderungen dieses SLA bedürfen der Textform (z.B. E-Mail) oder einer aktualisierten Version mit Versionsstand.

Mini-Zusammenfassung: Wir reagieren innerhalb der gebuchten Servicezeiten schneller und priorisiert, kommunizieren transparent und arbeiten lösungsorientiert – mit klaren Ausnahmen, damit es für beide Seiten fair bleibt.

Schnellcheck

  • SLA gilt nur für Tickets über zulässige Kanäle
  • Reaktionszeiten gelten innerhalb der Servicezeit
  • Prioritäten werden nachvollziehbar eingestuft
  • Drittanbieter & fehlende Mitwirkung können Zeiten beeinflussen
Empfohlene Kundenangaben im Ticket
Service/Betroffenheit, seit wann, Fehlermeldung, Nutzeranzahl, Dringlichkeit, Rückrufnummer.